Tag der deutschen Einheit?

Der „Tag der Deutschen Einheit“ ist bestenfalls die Umschreibung eines Ziels, welches nicht mal jeder hier in Deutschland will. Was gibt es zu feiern?

Die „Wiedervereinigung“? Es war eine Vergrößerung der Bundesrepublik Deutschland, der Beitritt von fünf Bundesländern. Nix Einheit.

Aus dem Kampf für ein „einig Vaterland“ wurde ab 1990 die millionenfache Herabwürdigung ganzer Lebensleistungen und Karrieren. Ehemalige „Brüder und Schwestern“ wurden zu Faulpelzen erklärt, denen man die Arbeit erst beibringen muß. Damalige Arbeitsamts-Parole: „Wir machen uns fit!“ (Die Ossis unter uns werden sich erinnern) Tausende, vielleicht Zehntausende haben in den neuen Arbeitsämtern die Worte „Sie sind überqualifiziert“ um die Ohren gehauen bekommen, um ihnen selbst Zugänge zu einfachen Jobs zu verwehren.

Das Wirken und die Verbrechen der Treuhand sind bis heute nicht aufgeklärt worden, man sieht bis heute dafür keinen Bedarf (oder will eigene Schuld unter den Teppich kehren). Es wurde in vielen Bereichen lediglich eine verlängerte Werkbank eingesessener Westunternehmen geschaffen, ansonsten Ost-Konkurrenz ausgeschaltet. Betroffene wissen, welche Unternehmen ich meine.

Und wo in etlichen Unternehmungen (west) geradezu legendäre Löhne gezahlt und Sozialleistungen fließen, haben genau diese Unternehmen hier im Osten lediglich Leiharbeit angeboten und den Ost-West-Unterschied auf Jahrzehnte hinaus zementiert. Das regelrechte Ausbluten des Ostens in Bezug auf die Fachkräfte geht nach wie vor weiter. Zurück bleiben Deutsche zweiter Klasse.

Und jetzt wundern wir uns, warum etliche Ost-Männer meiner Altersklasse die falschen Schlüsse ziehen und genau den Hetzern von damals – heute blau lackiert – nachlaufen.

Deutsche Einheit? Es gibt nichts zu feiern.

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Polizei, Köln und so

Zum Schluß war alles gut. Schulterklopfen der Beteiligten und ein Verbitten jeder Kritik. Ernsthaft? Oder sollten wir der Polizei lieber doch noch beibringen, daß Syrien und der Libanon nicht zu Nordafrika gehören? Dann wäre ja alles in Ordnung. Ist ja auch nur eine klitzekleine Unschärfe in Racial Profiling, allein von Haut- und Haarfarbe auf die Nationalität zu schließen. Oder eben auf mögliche kriminelle Absichten.

Artikel 3 des GG darf ich an dieser Stelle als bekannt voraussetzen.

Ja, es wäre eine Ochsentour gewesen, diese „Formation“ in „kriminell“ und „in Feierlaune“ zu differenzieren, aber nun wissen wir nicht mal, wieviele davon mit welchen Absichten gekommen waren. „Zur Sicherheit“ werden also alle festgesetzt, im Wissen, daß es Unschuldige gibt. Eine Vorgehensweise, die wir eigentlich aus Diktaturen kennen, von Stalin über Hitler bis … tja, Erdogan. Weiß man außer dem Phänotyp der Mitglieder etwas über diese „Formation“? Vielleicht, wo sie herkamen? Nicht zufällig eine zufällig entstandene Menge, vielleicht alle aus einem Vorortzug? Oder verabredet, weil klar war, daß man mit diesem Phänotyp in der Nähe der Hbf wohl auf Schwierigkeiten stoßen könnte, gerade wenn man allein unterwegs ist? Wurden sie gar geschickt und wenn ja von wem? Wir werden und wollen es nicht wissen, auch dank Racial Profiling.

Sie sahen halt so aus.

Und so war es denn ruhig rund um den Hbf, ob es an der Festsetzung dieser „Formation“ lag werden wir auch nie erfahren. Man feiert sich, egal. Aber es ist sehr gut und in dieser Welt auch gar nicht so üblich, daß wir über die Polizei und deren Arbeit reden und diskutieren, auch kritisieren können. Und auch das wollen wir uns von niemanden nehmen lassen.

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Zwei Rennen, Licht und Schatten

Zwei Rennen, eines richtig gut, eines als Katastrophe trotz vermeintlich sehr guter Form, geht das? Leider ja.

Da waren zum einen die FitBit – NeuseenClassics, seit Jahren eine feste Größe in meinem eher bescheidenen Rennkalender. Es ist eine kurze, schnelle Ballerstrecke im Süden Leipzigs, sofern man sich für die 60km entscheidet, und man merkt da schon, wie gut man über den Winter gekommen ist.

Es verlief fast alles nach Plan. Die ersten 200m habe ich allerdings etwas vertrödelt, jedenfalls fuhr eine Gruppe vor mir weg und ich konnte mich nicht rechtzeitig durchdrängeln, um da noch ranzukommen. 300m Volldampf haben nicht gereicht, vielleicht zum Glück, denn in der Gruppe gab es vermutlich ein paar Stürze und wer weiß, wie ich in diesen Situationen ausgesehen hätte.

Ich etablierte mich also in der nächsten Gruppe, und die war ganz mein Geschmack. Es war mein „Mitfahr-Tempo“. Anfangs hatte ich sogar Mühe, nach Kurven immer wieder dranzubleiben, im Laufe des Rennens wurde es aber immer besser. So nach und nach ging ich in der Gruppe immer mehr nach vorn, immer mit dem Gedanken im Hinterkopf, irgendwann im Rennen „eine Rolle“ zu spielen, welche auch immer. Es dauerte bis ca 3km vor dem Ziel, einer hatte sich etwas abgesetzt und direkt vor mir war eine Lücke, die Lücke. Ich hatte vor, mich einfach maximal vor’s Feld zu spannen und unter Volldampf sehen, was passiert, entweder komme ich weg oder alle bleiben dran, aber eben hinter mir. So wollte ich für mich in den letzten Kurven vor dem Ziel meine persönliche Sturzgefahr mindern, was letztlich auch gelang. Aber mehr auch nicht. Für vielleicht einen Kilometer war Volldampf drin, 400-500 Watt, um die 40 km/h. 100m vor der letzten Kurve war der Akku dann leider leer und so zog der Pulk dann doch an mir vorbei.

Trotzdem sturzfrei, trotzdem ein recht guter Schnitt, trotzdem direkt nach dem Rennen geschafft, aber nicht halb tot. Unterm Strich meine besten NeuseenClassics überhaupt, Rennradlerherz, was willst Du mehr?

In Hamburg war es dann doch etwas anders. „Nach 100km Krämpfe und die letzten 50km  als Einzelzeitfahren“ hatte ich schon kommuniziert. Nur, wie konnte es dazu kommen?

Im Vorfeld konnte ich meinen Trainingszyklus so einigermaßen einhalten. Normal-Woche, Belastungs-Woche, Hochbelastungs-Woche, Regenerationswoche. Die Woche direkt vor dem Rennen nannte sich dann abweichend „Tapering“. Nun ja, ich hab da die Belastung deutlich runter gefahren, mehr aber nicht. Am Anfahrtstag keine kleine Vorbelastung, nix. Nur „Carboloading“ beim Italiener, Bierchen inklusive.

Wettkampftag

7:00 Uhr öffnete im Hotel das Frühstücksbüffett, 8:10 sollte der Start sein und man sollte sich ja schon etwas eher einfinden – so sah mein Zeitfenster aus, welches mich irgendwie unter Druck setzte. Und so ging es nicht um den Super-Quark nach Dr. Feil, nicht um spezielle Smoothies und das im genauen Zeitfenster, nein, es war ein relativ normales Frühstück im Hotel, Brötchen, Rührei, etwas Kaffee, Saft. Also nicht wie bei mir üblich 3 große Tassen Kaffee + noch irgendwas, nee, nur eine kleine Tasse Kaffee. Vielleicht hätte ich wenigstens das Magnesium-Granulat nehmen sollen, welches am Vortag an der Innenalster großzügig an mutmaßliche Cyclassics-Teilnehmer verteilt wurde. Nein, nix.

Ich fuhr also mit zuwenig Wasser in mir los. Mein Taktik sah so aus, daß ich die ersten 100km relativ passiv mitfahre und dann in der 55km-Schleife wieder (siehe oben) „eine Rolle spielen“ würde. Und es schien erstmal aufzugehen.

Freilich bemerkte ich mal wieder meine vielen Kilos, gerade auf der Köhlbrandbrücke und auf der Ehestorfer Landstraße. Das sind nun beileibe keine epischen Pässe, sondern einfach ein paar kleine Huckel, die es aber im Renntempo zu meistern galt. Mögen da andere mit 250 Watt hochgefahren sein – bei mir waren es eher 400-500 Watt. Ja, das kann ich mittlerweile, aber es braucht auch jede Menge Treibstoff. Das Thema ist lästig, aber es ist mein Hauptthema, ich bin nach wie vor viel zu schwer für meine sportlichen Ziele.

Das ist mir auch schon am Start aufgefallen. Im Großen und Ganzen erhöht sich ja das Niveau, je weiter vorn man startet. Austrainierte Körper, kaum sichtbares Übergewicht, immer professionellere Technik und tausende sichtbare Kilometer auf dem Rennrad findet man in Startblock A und B deutlich häufiger als in K oder L. Technisch war ich gut dabei, neben den vielen Mittelklasse-Carbonrennern namhafter Hersteller sah mein Alu-Canyon gar nicht so schlecht aus, mit meinem relativ neuen Laufradsatz von Aerycs war ich mutmaßlich im besten Drittel aller Starter im Startblock B.

Aber ich war der Fette.

Und mein Startblock war eine Nummer zu ambitioniert für mich. In der Ebene 45-55 km/h mitfahren kann jeder, das war auch diesmal kein Thema, „interessant“ wurde es an jeder Steigung. Auf der Köhlbrandbrücke war es ja noch einfach, genau genommen waren wir da erst so richtig warmgefahren. Die Ehestorfer Landstraße zieht sich unmerklich aber ekelhaft vor sich hin, immer steiler werdend, bis man dann merkt, daß man im „Kreuzgang“ (vorn 53 Zähne, hinten 28) angelangt ist. Das Bereinigen der Schaltungssituation hat mich den Anschluß an meine Truppe gekostet.

Halb so schlimm, die nächsten kamen schon von hinten, einen Hauch langsamer als die erste Gruppe, machbar. Aber die ach so flachen Cyclassics haben hier und da noch ein paar Höhenmeterchen versteckt, ich mußte zusehen, wie ich dran bleibe. Insgesamt fühlte ich mich aber von Kilometer zu Kilometer immer besser. Bei Kilometer 85 oder 90 dann die Feststellung „oh, erst ein wenig aus der ersten Flasche getrunken“, da kam die Schnapsidee in mir auf, ohne Verpflegungstopp durchzufahren. Geplante vier Stunden Wettkampf mit 1,4 Litern Iso-Getränk, es schien so machbar.

Durst, Krämpfe

Im Bereich der Feldertrennung hatte ich dann auf einmal Durst. Kein Problem, die erste Flasche gleich mal ausgetrunken. Aber nach der Feldertrennung war ich plötzlich allein, ca 30m vor mir war die kleine Truppe, da wollte ich dann hin.  Zur Beschleunigung mal aus dem Sattel, eins zwei eins zwei – autsch, Krämpfe in beiden Oberschenkeln! Und jetzt noch 55 Kilometer?

Erstmal locker pedalieren, sitzend natürlich, in den Körper reinhorchen und ich hörte ein „wird schon gehen“. Bald kam eine Gruppe von hinten und ich konnte mich erstmal anhängen. Das ging dann für 3-4 Kilometer gut, bis es dann wieder welliger wurde. Da konnte ich sitzend nicht mehr die erforderliche Kraft aufbringen, und dann kamen auch die Krämpfe wieder. Diesmal jedoch schon im Sitzen, aber es waren andere Muskelgruppen betroffen, Unterseite außen, würde ich als Nichtmediziner sagen.

Trinken! Trinken! Trinken! Nee, ich habe wohl irgendwie vergessen. Noch im Stadtgebiet Hamburg war zwar die zweite Flasche auch alle, aber ich hatte danach keinen Blick und keinen Gedanken für die nächste Verpflegungsstelle. Es folgten ca 25 Kilometer Alleinfahrt, kurz unterbrochen von ca. 500m zu zweit („Mir tut der Arsch weh“ – erinnert sich da jemand?) und gefühlt 10 Grüppchen, die an mir vorbei flogen, ohne daß ich eine Chance hatte, mich da anzuhängen. Da war nur eins: Frust pur.

Ungefähr 20 Kilometer (?) vor dem Ziel war dann doch noch eine Verpflegungsstelle. Diesmal fuhr ich ran und holte mir randvolle 750ml Iso-Getränk, was mich innerhalb der nächsten 10 Kilometer (Kösterberg inklusive) wieder regelrecht aufbaute. Leider waren da aber keine funktionierenden Gruppen in meiner Nähe, im Grunde fuhren wir da alle einzeln bis ins Ziel.

Die jubelnde und lärmende Menschenmenge auf der Zielgeraden namens Mönckebergstraße baute mich dann doch wieder ein wenig auf, obwohl ich mich innerlich wie ein Verlierer fühlte. So hatte ich mir meinen Saisonhöhepunkt nicht vorgestellt.

Nachbetrachtung

Im Vorfeld wurde ich besonders aus dem nicht so sportaffinen Bereich wegen meiner Streckenwahl kritisiert, die 155km wäre zu lang für mich. Dem ist nicht so. Ich habe nur erfahren müssen, daß man für Renndistanzen jenseits der 100km bei der Versorgung des Körpers im Rennen keine Fehler machen darf. Eine gute Form vorausgesetzt fährt man über 60km seine Reserven leer und gut ist, bei 100km kommt ausreichend Wasser hinzu. Darüber muß wirklich alles mögliche nachgefühlt werden, Wasser, Mineralstoffe inkl. Salz, Kohlenhydrate, also diverse Zuckerarten. Es geht nicht ohne.

Die vielen klugen Bücher über Radsport, Training, Wettkampfvorbereitung machen genau dann Sinn, wenn man sie versteht, ja, verinnerlicht und sich einfach daran hält. Da sehe ich auch den Hauptvorwurf an mich selbst, warum es so dumm für mich gelaufen ist.

Technisch habe ich vorerst meinen anvisierten Stand erreicht. Ein konkurrenzfähiges Rennrad, bestehend aus einem leichten, steifen Rahmen (Canyon Ultimate Al), einer semiprofessionellen Schaltgruppe (Shimano Ultegra), leichte und steife Aero-Räder (Aerycs AC 50 SL C) und ein pedalbasiertes Powermeter (bePRO) – was will ich mehr? Manch einer im Teilnehmerfeld wäre glücklich, so eine Rennmaschine fahren zu können, und ja, ich bin es auch. Deswegen wird es in nächster Zukunft auch keine großen Anschaffungen in dieser Richtung geben, ich hab ja alles. (Bis auf Lenkeraufsatz, Action-Kamera und die kleinen oder großen Dinge, von denen Rennradfahrer so gern träumen)

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Der etwas andere Rennbericht

Natürlich gibt es bei Sportveranstaltungen auch total bescheuerte Zuschauer. Schlimmer sind allerdings so manche Kontrahenten:

Die Rennschnecke

Unbenannt

Liebe ignorante Vollhonks,

das hier ist für Euch!

Als ich mich vergangenen Sonntag auf den Weg nach Karlsdorf-Neuthard machte, um dort beim Summertime Triathlon auf der Sprintdistanz zu starten, war ich gut drauf. Ich freute mich, war gespannt, aufgeregt. Das Foto zeigt mich vor dem Rennen, kurz vorm Einrichten der Wechselzone 2. Da war die Welt noch in Ordnung und ich freute mich einfach nur auf meinen dritten Triathlon.

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Entscheidungsfindung EZF

Aja, grübel grübel grübel …

Da gibt es ja am Samstagabend (19. Juni) im Rahmen der Neuseenclassics ein 20km Einzelzeitfahren.

Grübel, grübel.

Es ist zweifellos der ehrlichere Wettkampf gegenüber den Rennen, und es reizt schon. Mitmachen?

Dagegen spricht: Keine Ahnung vom EZF, nicht mal ansatzweise ausprobiert, kein spezielles oder dafür umgerüstetes Rennrad verfügbar, keine Ahnung, wie ich dann am Sonntag dastehe (halbtot in den Beinen?), der Samstagabend ist außerdem schon mit Schatzi verplant, wir haben nur wenige gemeinsame Wochenenden …

Dafür spricht: wie erwähnt der ehrlichere Wettkampf, sowohl Zeit als auch Plazierung viel realistischer mit den Werten aus anderen Jahren vergleichbar, 20km gehen auch mal im Unterlenker, später wäre es ein schöner Vorwand, etwas Geld in zeitfahroptimierte Hardware zu investieren …

Es sieht so aus, als ob ich mich ab 2017 mal ans Einzelzeitfahren heranwagen werde. Ich grüble noch …

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bePRO – Licht und Schatten

Ich nutze seit fast einem Jahr ein Powermeter für mein Rennrad. Es ist ein bePRO von der Firma Favero aus Italien.

Kurze Zusammenfassung bis jetzt: Es ist seit einem Jahr möglich, für deutlich unter 1000€ die Leistung auf einem Rennrad zu messen, und das vor allem auch beidseitig. Der Markt hat es begierig aufgesogen, es wurde zeitweise mehr geordert, als die Firma liefern konnte. Erstmal DANKE!, daß diese Situation nicht gleich zu fetten Preiserhöhungen ausgenutzt wurde. Bei mir hat es auch etwas gedauert, aber dann hatte ich die beiden Pedale mit dem Touch von Hochtechnologie.

Erfahrung Nummer 1: Die Pedale müssen wirklich sehr genau montiert werden. Dazu hat man die kleinen Aufkleber, die kurz vor der Pedalachse mittels einer Schablone hochpräzise angebracht werden. Und genauso hochpräzise müssen dann auch die Pedale angebracht werden. Also reingeschraubt und gekontert, und ja, es paßt möglicherweise erst beim 10. Versuch. Diese Zeit und diese Nerven muß man sich tatsächlich nehmen.

Ich lag nämlich besonders links ganz schön daneben. Ein Links-Rechts-Verhältnis von ca. 70/30 konnte nicht normal sein, dazu insgesamt Wattzahlen im „Hach-das-wär-ja-nicht-schlecht“- Bereich. Die habe ich mir eine Weile gefallen lassen und dann doch mal den Support (Powermeter24) kontaktiert. „Nochmal neu montieren“, gesagt, getan, und schon war ich bei einem Verhältnis von 49/51 angelangt und dazu bei deutlich nachvollziehbareren Zahlen.

Allerdings gab es ein weiteres Problem. In diversen Beschreibungen steht etwas von „maximum load resistance 90kg“, frei übersetzt maximaler Druck oder eben auch Gewicht pro Pedal. Die Antwort auf besorgte Fragen lautete „halb so schlimm“, das drückt nur jemand mit 130kg. So ungefähr. Es war aber scheinbar die falsche Antwort.

Ich wiege knapp über 90kg und drücke in der vollen Belastung garantiert deutlich mehr als 90kg. Immerhin kommen zu meinem Körpergewicht Zugkräfte sowohl über Hand-Lenker als auch über das jeweils andere Pedal hinzu. Demzufolge bewege ich mich da schon deutlich im Grenzbereich, was sich auch in der „abgeschnittenen“ Leistungskurve bemerkbar macht. Der Schnitt erfolgt bei mir (sichtbar in Golden Cheetah) bei ca 1800 Watt (obwohl bePRO bis 2000 Watt messen soll). Da stimmt was nicht.

Möglicherweise spielt auch beim zweiten Problem das Maximalgewicht b.z.w. die Maximalkraft eine Rolle. Die bePRO knarren hin und wieder, verschiedene Geräusche, mal eher Quietschen, mal Knirschen. Daraufhin habe ich die Schmierung zwischen Pedalachse und Pedalkörper verändert, nun ist da Titanfett drin. Deutlich ruhiger, die endgültige Ruhe hat dann je ein Tropfen WD 40 von außen gebracht. Normal kann das nicht sein, oder?

Und nun mein drittes Problem: Das Rennrad ist mir am 12.4.2016 bei Naumburg während einer Pause umgefallen. Unter anderem auf’s rechte Pedal. Von da an hat rechts einen Wackler, mal wird übertragen, mal nicht. Da die Wattwerte nun zu unregelmäßig wurden habe ich meine guten bePRO auf bePRO S umgestellt, es wird derzeit nur links gemessen und der Wert verdoppelt. Das ist vorläufig möglich, da ich in der Phase unmittelbar vor dem Sturz eine relativ gleichmäßige Leistungsverteilung nachweisen konnte. Die Dauerlösung ist es jedoch nicht. Leider habe ich bis August gänzlich andere finanzielle Prioritäten, einfach so eine Reparatur oder möglicherweise ein neues linkes Pedal geht erstmal nicht.

Mein Fazit:

Das bePRO Powermeter ist bei korrekter Montage sehr genau, der Fahrer sollte nicht mehr als 80-90kg wiegen und ein Sturz kann so ein Pedal (b.z.w. die Meßtechnik und die Elektronik) wirksam zerstören. Schön wäre auch ein SPD-SL-kompatibler Pedalkörper, wie ihn Garmin für seine Vector-Powermeter inzwischen anbietet.

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Nicht beendet

Am 24. April hatte ich mein erstes Rennen nach einer fast 19-monatigen Renn-Pause. Das heißt nicht, daß ich 19 Monate untätig war, nein, in dieser Zeit habe ich Trainingskilometer abgespult, von denen etliche Hobbyradler rein zeitlich nur träumen können, Größenordnung 18000km. In den letzten 3000 Kilometern waren zudem ordentliche Intensitäten eingebaut, einigermaßen periodisiert trainiert hatte ich ein gutes Gefühl.

Auf nach Münchenbernsdorf

Dort endet seit einigen Jahren die Ostthüringentour, eine mehrtägige Veranstaltung des radelnden Nachwuchses. Und das ist in dieser Gegend kein Zuckerschlecken, wie ich gleich auf meiner Proberunde feststellen mußte. Die ersten 1,2km geht es nur bergauf. Nicht besonders steil, aber das Tempo macht die Härte, das Tempo der ersten Gruppe.

Erstmal gut, daß wir nicht aus der Kalten losfuhren, alle waren eingefahren, vorgeglüht, und wir mußten auch nicht ewig am Start rumstehen, ein Vorteil eines kleinen Feldes. Aber dann ging es los, sofort Feuerwerk! Ich fuhr erstmal mit und die Euphorie vernebelte mir einige wichtige Informationen. Die bemerkte ich nach knapp einem halben Kilometer, als plötzlich die Beine etwas einsäuerten. So verlief meine erste Minute, in der ich gerade so dem Tempo folgen konnte:

Unbenannt

Es ging nur 2% bis 5% bergauf, wohlgemerkt. Ich habe es mal bei Kreuzotter berechnet, nur ganz grob, mit 10kg Körpergewicht weniger hätten ca 50 Watt weniger ausgereicht, genau die Reserve, mit der ich drangeblieben wäre.

Wäre.

Ich wurde abgehängt wie ca 20% des Feldes (vermutlich, ich hatte keine Muße zum umdrehen und gucken), war nur noch so ein versprengtes Truppenteil. Endlich oben, in der Ebene, 3-4 Hanseln in einer Minitruppe und ich vorneweg, Tempo machen, an die Spitzengruppe zurück. Aber wann werde ich es endlich begreifen, daß ich allein gegen das Tempo einer Spitzengruppe über ca 2km nicht den Hauch einer Chance habe? Die anderen hatten es spätestens einen Kilometer vor mir eingesehen und damit im nächsten Anstieg wenigstens genug Kraft für einen einigermaßen flotten Anstieg. Ich nicht.

Damit war ich in ein hoffnungsloses Einzelzeitfahren geraten, immer am grübeln, ob ich alles aus mir rausholen sollte oder ob ich einfach nur zu Ende fahre, irgendwie. Dann nahm mir das Wetter die Entscheidung ab. Ab der zweiten Runde hatten Schnee- und Graupelschauer meine Rennbrille (mit zusätzlichen optischen Gläsern, also „mehrlagig“) erblinden lassen, also habe ich sie abgenommen. Es ging eine Weile gut, bis zu einer Abfahrt im Graupelschauer, wo der Blick nur auf den Seitenstreifen, nicht aber nach vorn möglich war. Das mußte ich mir jetzt nicht mehr antun, Schluß, aus, Ende.

Im ersten Moment hatte ich ein geradezu schreckliches Gefühl. DNF! Aber ein Vergleich z.B. zu einem Marathon hinkt gewaltig. Beim Jedermann – Marathon kommt es für einen großen Teil der Teilnehmer schlicht darauf an durchzukommen, durchzulaufen, das Ankommen wird zu verdienten Selbstbestätigung. Darum ging es hier im Rennen von vornherein nicht. 75 Kilometer auf dem Rennrad und vielleicht 900 Höhenmeter sind für mich längst keine Herausforderung mehr, die sind eher sowas wie das tägliche Brot eines Rennradfahrers. Ich wollte zuerst sehen, wo ich stehe, dann wollte ich – auch im Schutz und im Windschatten der Meute – renntypische Geschwindigkeiten fahren, und im besten Falle wollte ich in dem ganzen Rennen eine gewisse Rolle spielen, was auch immer für eine. Es reichte nicht mal für die kleinste Nebenrolle.

Fazit

Neben meinen 10-15kg Übergewicht, die sich so gut wie ausschließlich im Bauchraum manifestieren und EINFACH NUR WEG MÜSSEN!!! gibt es einen weiteren Grund für Frust. In den Jedermannrennen fahren neben den Hobbyfahrern Leute aus einer ganz anderen Liga mit. Also nicht daneben, eher vorneweg. Fahrer (samt Teams), die eigentlich in Lizenzrennen gehören, Ex-Profis, die sich nochmal beweisen müssen, in etlichen großen Rennen gleichmal mit Profi-Technik und Profi-Logistik. Damit wird der „normale“ Hobbyfahrer von vornherein zur grauen, zahlenden Masse degradiert, der eben mal so mitfahren darf.

Meine ungefähr gleichstarken (und vielleicht gleichaltrigen) Konkurrenten, mit denen wir uns gegenseitig zu harten Rennen und Höchstleistungen pushen, die muß ich mir wohl woanders suchen. Wohl ab Startblock B oder C in einem der großen Massenrennen. Schade.

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