Meine kleine Normalität

An mir ist die „Corona-Krise“ bisher ziemlich deutlich vorbei gegangen. Ich bin derzeit nicht infiziert, ebenso wie der gesamte für mich überschaubare Teil meiner Verwandtschaft, meiner Bekannten, Kollegen, Bewohner meines Wohnblocks. Möglicherweise gehöre ich mit meiner seit der Lungenembolie „verschwarteten“ Lunge und deshalb nur ca. 90% verfügbaren Lungenvolumen ebenfalls zur Risikogruppe. Deswegen werde ich da auch keine Risiken eingehen, bisher ist alles gut gegangen. Das ist erstmal die wichtigste Nachricht, deswegen schreibe ich die zuerst.

Ich bin ja seit meinem Unfall am 13.12.2019 krank geschrieben (in Kürze geht es wieder auf Arbeit), deswegen bin ich wirtschaftlich sowieso schon etwas eingeschränkt. Noch kann ich das ausgleichen, etwas weniger Luxus, etwas weniger Anschaffung, derzeit gar nicht in ein Restaurant – es gibt wahrlich schlimmere Schicksale.

Hier in Jena gibt es die Maskenpflicht nun schon fast zwei Wochen. Auch damit kann ich leben. Meine Hochachtung gebührt denen,  die den ganzen Arbeitstag mit Maske herumlaufen müssen, bei körperlicher Arbeit und vielleicht noch eher mäßigem Gesundheits- und Fitnesszustand kommt man da wohl schneller als gewollt in seine Grenzbereiche. Deswegen mache ich auch richtig mit, nicht weil ich es muß, sondern als Zeichen der Solidarität und der Hochachtung für meinem Gegenüber, der (die) für mich unerkennbar vielleicht zu den Risikogruppen gehört und den (die) ich als möglicher Träger der Viren nicht anstecken möchte.

An der Diskussion rund um die „Systemrelevanz“ einzelner Berufsgruppen werde ich mich nicht beteiligen. Jeder macht seinen Job, schön, wenn ihm sein Beruf auch Berufung ist, aber die Diskussion darüber gleicht derzeit eher irgendwelchen Durchhalteparolen und peinlichen Anbiederungsversuchen. Was die Worte wirklich wert sind wird sich nach der Krise zeigen, nicht zuletzt in Tarifverhandlungen.

Und mein Sport? Auch der war über Monate sehr eingeschränkt, zuerst gar nichts, dann diverse Krankengymnastik und „therapeutisches Gehen“. Erste radfahrtypische Bewegungen hatte ich am 24. Februar, wirkliches Radfahren dann ab Mitte März, allerdings ging es da eher um grundsätzliche Bewegungsabläufe und einen gewissen Kraftaufbau. Das wird auch eine Weile so weitergehen. Deswegen kann ich sogar mit den höchstwahrscheinlichen Absagen meiner beiden Wettkampfhöhepunkte recht gelassen umgehen. (ups, mitten im Schreiben kam gerade die Absage/Verschiebung der Höffner NeuseenClassics auf den 30. Mai 2021) Von irgendeiner „Wettkampfform“ bin ich meilenweit entfernt, dazu ist mein Bewegungsablauf speziell mit dem rechten Bein alles andere als optimal. Allein wenn ich mir die kleine fiese Rampe am Störmthaler See vor Augen führe, die im Wettkampftempo hoch mit unrunder Bewegung und im Hinterkopf eine gewisse Angst vor einer Überlastung – vergessen wir es!

Bleiben die EuroEyes CyClassics in Hamburg, ohne eine solche fiese Rampe, aber Highspeed im Fahrerfeld inklusive Sturzgefahr macht die Sache im Jahr meiner Rekonvaleszenz auch nicht besser. Und in eine Superform werde ich bis dahin nicht kommen, es geht eher darum, ein gewisses Leistungsniveau vergangener Jahre wieder zu erreichen. Also nix mit Rennen.

Also kämpfe ich an meinen Fronten weiter, an meinem Gewicht, an der flüssigen, kraftvollen Bewegung gerade des rechten Beins, an meinen Leistungswerten. Bei Gelegenheit werde ich bei einigen Strava-Segmenten eine gewisse Korrektur meiner Platzierung anbringen (b.z..w. es versuchen), so als kleiner Wettkampf zwischendurch.

Das ist zur Zeit mein Leben. Mein kleiner Luxus, meine kleine Normalität.

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Der Schwanz der rechten Mitte

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Operation

Am 15.12.2019 – also zwei Tage nach dem kleinen Mißgeschick – wurde ich operiert.

Da ich Falithrom-Patient bin und normalerweise mit einem INR-Wert von 1,5 bis 2,0 durchs Leben gehe war eine sofortige Operation (oder am darauffolgenden Tag) noch nicht möglich. Ich würde zu lange bluten. Deswegen bekam ich ab Samstag ein Vitamin K2 – Präparat und meine Falithrom – Einnahme wurde eingestellt. Zum Glück ging mein INR auch schnell Richtung 1,0.

Die Operation wurde unter spinaler Anästhesie durchgeführt. Kurzbeschreibung: Es gibt ein Mittelchen in die Wirbelsäule, ziemlich weit unten, alles ab Bauchnabel nach unten wird taub.

Sonntag gegen 9:30 Uhr ging es dann los. Ich kam im OP – Vorbereitungsraum an, wurde wie schon mehrmals zuvor nach Name, Geburtsdatum und -Ort sowie zur zu behandelnden Stelle befragt. Dann durfte ich mich hinsetzen. Mein lieber Sohnemann hatte mir kurz zuvor von geradezu unmenschlichen Schmerzen berichtet, die er bei einer ähnlichen Aktion ertragen mußte. Daraufhin hatte ich gewisse Bedenken, die ich auch äußerte. Die wurden sofort mit „das kriegen Sie gar nicht mit“ und „da ist die Belastung für den Körper viel geringer als bei Vollnakose“ gekontert. Na gut …

Erst gab es eine Spritze gegen den lokalen Schmerz an der Einstichstelle – erträglich – dann kam die offensichtlich größere Spritze Richtung Wirbelsäule – unmerklich. Trotzdem hatte ich wegen meiner Bedenken einen recht hohen Puls. Wenn mich meine Erinnerung nicht täuscht gab es daraufhin über den Zugang am Arm etwas spezielles zur Erzeugung einer LMAA – Stimmung in meinem Gemüt, was wohl ziemlich schnell wirkte.

„Jetzt bin ich da“ meinte dann wohl, daß die Nadel an der richtigen Stelle war. Nun wurde wohl ein Mittelchen mitten zwischen die Nervenbündel (oder wohin auch immer) gespritzt. Ich tippte immer mal auf mein linkes Bein und spürte von mal zu mal weniger. Dann durfte ich mich wieder hinlegen und es ging in den Operationssaal.

Dort ging es sofort los, Arme etwas fixiert, Bein hoch, ein textiler Sichtschutz zwischen meinem Bein und meinen Augen, ja, und dann ging die Operation auch schon los. Das LMAA – Mittelchen wirkte bestens, ich war geradezu tiefenentspannt und wollte dann doch etwas von der Operation mitbekommen. Irgendwann entdeckte ich einen Monitor schräg rechts über mir, da lief eine Operation in einem recht großen Operationsgebiet, die Haut weit auseinander gezogen, es war eine Hand zu sehen und eine längliche Maschine, die irgendwann nach links weggezogen wurde. Mit einem Spiralbohrer dran.

Meine Operation!

Dann war immer wieder eine Hand zu sehen, mehrere Schlaufen von dünnen Fäden, da wurde gewickelt und gefädelt, gezogen, geknetet, getupft, und ich schaute mir nahezu emotionslos die Operation an und in meinem Oberschenkel an. Die Anästhäesistin sagte noch: „Das ist so eine Kordeltechnik.“ Aha … Hinterher hatte ich allerdings den Eindruck, daß ich einige entscheidende Momente verpaßt hatte, so das Aufschneiden des Beines und später das Hervorziehen der beteiligten Muskeln in Richtung Knie. Immerhin konnte ich das Schließen und Vernähen des betroffenen Gebietes gut beobachten.

Dann tat sich kurze Zeit nichts. Da guckte der Operateur über den Sichtschutz und sagte: „So, Herr Stöckel, Beinpresse wieder in 4 Monaten!“ „Okay, ich werde mich dran halten.“

Meine Beine müssen die gelegentliche Beinpresse wohl erahnen lassen.

Mein Bein wurde wieder eingewickelt, wieder mit der gleichen Gipsschiene wie zu Beginn meines Aufenthaltes hier im Uniklinikum Jena. Dann kam ich für eine knappe Stunde in den am Sonntag völlig leeren Aufwachsaal. Warum eigentlich? Ich war doch wach? Dann ging es wieder zurück ins Zimmer. Die Schwestern hatten sogar noch mein Mittagessen gerettet, da war die Welt wieder in Ordnung.

Vorerst. So nach und nach ließ die Wirkung der Anästhesie nach. Das Bohren in die Kniescheibe, die Anker und die Kordeltechnik waren wohl doch recht massive Eingriffe, die dann auch das Nervensystem recht deutlich anzeigt. Ich mußte die volle Dosis der angebotenen Schmerzabletten nutzen und sogar noch um Nachschlag bitten, der Schmerz in und über dem Knie war dann doch zu heftig. Am Montag war es kaum besser, es war nur mit Nachschlag erträglich. Dafür habe ich am Dienstag die Entfernung der Drainage kaum bemerkt, das hatte ich schon mal ganz anders.

(wird fortgesetzt)

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Mir ist da mal was passiert

Die meisten werden mein kleines Mißgeschick am Freitag, d. 13.12.2019 mitbekommen haben, für alle anderen gibt es jetzt so nach und nach einen Überblick über die letzten 7 Wochen.

Es begab sich also an diesem bewußten Freitag gegen 22:45 Uhr, daß ich auf einem dunklen Schulhof eine Treppe nach unten übersah. Oder vergaß. Oder beides, okay. In der Erinnerung ist es zum einen eine vergessene Sekunde und danach eine sehr lange Sekunde. In der vergessenen Sekunde ging es irgendwie bergab, wobei ich nicht einmal genau sagen kann ob ich abgerutscht bin oder ob es einfach ein Schritt mit dem rechten Bein ins Leere war. Es war da auch noch ein Geräusch.

In der langen Sekunde kam zuerst ein Gefühl im rechten Oberschenkel auf, etwas Schmerz, etwas Schwaches, etwas Hilfloses, dazu ein Gedanke: “ Mit diesem rechten Bein hälst Du den Sturz nicht mehr auf.“

Dann lag ich. Mein erster Satz zu mir selbst: „Was war denn das jetzt?“ Ich lag auf der rechten Seite und sah in den dunklen Schulhof, dann auf die hell erleuchtete Schuluhr. Erstmal Check der Gliedmaßen, alle dran, alle zu spüren, alle zu bewegen. Komisches Gefühl im rechten Knie, also mit den Händen beide Knie angefaßt und verglichen.

Wo ist die rechte Kniescheibe?

Sie war weiter unten, Richtung Schienbein, leicht zur Mitte hin. Darüber war eine tiefe Delle, in der oberen Hälfte des Oberschenkels die ganzen Muskel, zusammengezogen wie ein dicker Klumpen. Dieser Klumpen strahlte nun mehr und mehr ein Gefühl wie bei einem Muskelkater aus. Richtig Schmerz war noch nicht. Viel mehr Geist allerdings auch nicht. Ich versuchte aufzustehen und es gelang sogar. Humpelnd schlich ich über den Schulhof.

So nach und nach kam der Geist wieder und ich rief in der Firma an. Da wurde dann alles weitere organisiert, mein Tranport in die Notaufnahme inklusive. Bis dahin mußte ich vor der Schule (ich war tatsächlich bis dort hingehumpelt) warten und so langsam kam der Schmerz und das sehr unwohle Gefühl, daß da im Oberschenkel irgendwas so richtig falsch angeordnet herumhing. Sicherheitshalber setzte ich mich hin, denn bei vergleichbaren Aktionen und Schmerzen bis ich schon mehrmals bewußtlos geworden. Dies blieb mir erspart.

In der Notaufnahme bekam meine Verletzung dann einen Namen: Ruptur der Quadrizepssehne rechts. Das Geräusch kurz vor oder beim Fall war das Reißen der Sehne. Meine doch recht kräftige Oberschenkelmuskulatur hatte die Verbindung zu Kniescheibe und weiter Richtung Unterschenkel verloren, mein altersklassensportlicher Werdegang wird eine kräftige Delle erleiden.

(In Kürze mehr in diesem Blog)

 

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Warum eigentlich?

Die Zahlen zu den Schwierigkeiten von Condor haben mich ziemlich erschüttert. 140000 Urlauber, in einem Durchgang allein von Condor irgendwohin geflogen. Vermutlich ca. 280000 pro Monat. Hunderttausendfache ökologische Gedankenlosigkeit.

Die Zahlen sagen zwei Dinge aus: „Reiseweltmeister“ Deutschland hat schon einen erheblichen Einfluß auf das Weltklima. (von der Kohleverstromung rede ich hier noch gar nicht) Und: Immer schön bei Verlassen des Raumes Licht ausmachen (LED-Licht) ist inzwischen einigermaßen bedeutungslos.

Warum bemühe ich mich eigentlich noch, beim Autofahren (ja, der Rennradopa fährt auch Auto!) so spritsparend wie möglich zu fahren? Was sind meine im ganzen Jahr eingesparten vielleicht 50 Liter gegen den tausendfachen Kurztrip nach Malle?

Und da ich gerade dabei bin: Der Liter Benzin und Diesel muß dringend mindestens 50 Cent teurer werden. Vorher gibt es kein Umdenken. Es werden Spritfresser gekauft und gefahren, es werden Ampelsprints und andere Rennen gefahren, man läßt Motoren „warm laufen“.

Soviel zur Gedankenlosigkeit. Dann sind da noch die anderen, die mit dem „Fuck-you-Greta“ – Aufkleber überm Auspuff, die Gehirnamputierten in der Facebookgruppe „Fridays for Hubraum“, die Leute, die „jetzt erst recht mit meinem 600PS – Mercedes SUV durch die Innenstadt heizen“, deren automobile Freiheit bei Tempo 200 erst beginnt.

Warum eigentlich?

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Du hättest tot sein können

Du hättest tot sein können.

Es war am Sonntag, kurz nach 20:00 Uhr, schon ziemlich dunkel. Jena, Dornburger Straße, Höhe Nordschule. Ich habe Dich nicht gesehen.

Du bist mit Deinem Fahrrad sehr knapp an einem weißen Auto vorbeigefahren. Nur eine Sekunde später hätte ich die Fahrertür geöffnet. Nur mein Schreck hat es verhindert.

Ich hatte in den Innenspiegel und in den Außenspiegel auf der Fahrerseite geschaut und nur ein paar Lichter der Häuser gesehen. An Deinem Fahrrad war kein Licht. Und hätte ich eine Sekunde früher die Tür geöffnet wärst Du dagegen geknallt. Mit viel Glück hättest Du die vollständig geöffnete Tür getroffen, wärst über den Lenker abgestiegen. Mit einigem Pech wärst Du gegen die nur leicht geöffnete Autotür gefahren.

Stell es Dir vor. Stell Dir vor, mit welchem Teil Deines Körpers Du gegen die obere, hintere, ziemlich spitze Ecke der Fahrertür gefallen wärst. Kann es sein, daß es der Brustkorb ist, der Oberbauch, die Stelle, an der das Brustbein endet? Kann es sein, daß Dir die Spitze der Fahrertür das Herz oder/und die Lunge zerreißt? Stell Dir eine Herzdruckmassage an einem zerfetzten Herzen vor, künstliche Beatmung an einem aufgerissenen Brustkorb. Stell Dir den Tod vor. Den Tod eines Mädchens, welches meine Enkelin sein könnte. Und ich hätte möglicherweise irgendwann vor Deinen Eltern gestanden. Was hätte ich denen sagen sollen?

Es war Sekundensache, es ist nichts passiert. Du hast es wohl nicht mal mitbekommen. Ich konnte vor Schreck nicht mal hupen, rufen, irgendwie reagieren. Ich habe mir nur wenig gemerkt, Mädchen, wohl ziemlich jung, lange blonde Haare, recht zügig auf dem Fahrrad unterwegs.

Zwei Bemerkungen, so ganz unter Radfahrern: Halte Abstand zu stehenden Autos, mindestens einen Meter, besser etwas mehr, so daß Dich die Autotür nicht trifft. Und fahre in der Dunkelheit niemals ohne Licht. Es geht nicht um das Sehen, es geht um das Gesehenwerden. Fahren ohne Licht ist NICHT COOL, es ist nur dumm.

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Meine EuroEyes Cyclassics 2018

Nicht zum ersten und auch nicht zum letzten Mal beging und begehe ich den ersten Teil meines Geburtstages mit einem Radrennen, den EuroEyes Cyclassics in Hamburg.

Erst mal ein Lob an das Hotel, das Motel One nahe der Alster. Nur wenige Fuß- und Fahrradminuten vom Startbereich der Cyclassics entfernt bietet es sich ohnehin als optimaler Übernachtungsort an. Am Renntag geht man darüber hinaus auch auf die besonderen Bedürfnisse der Sportler ein:

 

Ein ausgelassenes (2015) und ein verkorkstes (2016) Rennen hatten mich letztes Jahr in den Startblock I zurückgeschoben, ein einigermaßen ordentliches Ergebnis brachte mich nun ein Stück nach vorn, in den Startblock F. Gleich hinter den Frauen.

Ordentlich eingefahren (ca 14km hin und her) stand ich nun in Katusha-Alpecin-Teamkleidung (allerdings von 2017) in der Startaufstellung, wie gut, daß ich da auch Armlinge an hatte. Knappe 20°C wirkten mir nach der Hitze der letzten Tage schon recht frisch.

Es zog sich mit dem Start der einzelnen Startblöcke etwas hin, wobei die vorher angegebenen Zeiten ja eher Richtzeiten sind. Dann endlich erste Hinweise, eine gewisse Unruhe im Frauenstartblock, gefolgt von lautstarker Stimmung und weithin hörbaren Runterzählen, ja, der Start der Frauen und Mädels war unüberhörbar.

Dann wir, Startblock F. Deutlich ruhiger, naja, gesetztes Alter und so. Aber motiviert bis in die Zehenspitzen und riesige Radsporterfahrung aus mindestens 20 Jedermannrennen, und endlich ging es los!

Schon vor der Start-Zeitnahme gingen die ersten Positionskämpfe los. Vielleicht ist aber „das Finden von ungefähr gleichstarken Mitstreitern“ der passendere Ausdruck, immerhin wollten wir ja mindestens 108 Kilometer lang zusammen einen ordentlichen Schnitt fahren. Nach nur wenigen Kilometern war eine recht stabile Formation erreicht, in der ich ungefähr an 15.-20. Position fuhr, wieviele hinter mir fuhren habe ich nicht mitbekommen. Bei über 40 km/h gucke ich nicht gern nach hinten.

Vorn machte unter anderem ein recht stämmiger Katusha-Alpecin-Fahrer (2018er Trikot) ordentlich Tempo, dazu 2-3 andere in Trikots von Radsportvereinen. Meine Führungsarbeit war in dieser Phase nur sehr kurzzeitig, geschätzt maximal 500 Meter in 3 Phasen. Dann ordnete ich mich wieder ein, es drohte gemütlich zu werden.

Nach ca. 22 Kilometern (bei Ahrensburg) kam dann Leben ins Rennen. Eine flotte Truppe – wiederum Katusha-Alpecin, vermutlich das Jedermannteam – flog an uns vorbei und setzte sich an die Spitze unserer Altherrenrenngemeinschaft, die sich daraufhin geschlossen an diese Truppe anhängte. Es wurde schnell und hart, geschätzt 5km/h schneller, und nach jeder Kurve mit immer mehr Ziehharmonika-Effekt wurde es schwerer und schwerer, an der Truppe dranzubleiben. Zehn oder gar zwanzig Meter Abstand zum Feld sind bei ca 45-48 km/h sehr schwer zuzufahren, zumal man da ja etwas schneller als die Flüchtenden fahren muß. Genau dieses „Vergnügen“ hatte ich zweimal, nach dem zweiten Mal fühlte ich mich dann schon ein wenig tot. Das obligatorische „warum tue ich mir diese Scheiße überhaupt an?“ – Gefühl war in diesem Rennen sehr stark ausgeprägt. Schlimmer war es noch nie.

Kurz vor dem dennoch nicht entschuldbaren Reißenlassen wurde es plötzlich etwas ruhiger, das war so bei Kilometer 32. Da war was mit Rollen, Schlückchen Trinken, Gelbeutelchen reindrücken, Luft holen. Offenbar hatten uns die wilden Katushaner abgehängt, andere machten Tempo, aber nicht so dolle. Für mich gab es ab jetzt zwar immer mal Phasen mit hohem 160er Puls, aber kürzer als vorher und eben keine >170. Hart, aber fahrbar. Ich war öfters ganz hinten in der Truppe, konnte aber nach Belieben auch mal weiter vor fahren.

Bei 520 Höhenmetern von Steigungen zu sprechen verbietet sich fast von selbst. Ja, ab und zu ging es kurz mal etwas hoch, eigenartigerweise mußte ich da nie aus dem Sattel und dennoch habe ich fast an jeder Steigung Positionen gutgemacht. Im Vorfeld war von einer bemerkenswerten Steigung die Rede, „für die man ein paar Körner aufheben“ müsse. Auf diese Steigung habe ich mich wohl umsonst vorbereitet, ich muß sie wohl übersehen haben. Hinterher auf Strava stand sie dann da, „Möllner Straße Climb“, 0,72km lang, 81m hoch, ich in 42,1km/h, in der Hitze des Gefechts aber wohl untergegangen. Lag bestimmt am guten Anlauf.

Spätestens ab Kilometer 80 wurde unsere Truppe dann immer kleiner, bis sie dann nach drei kleineren Anst…. ähm, Teppichkanten völlig zerfiel. 4-5 Mann ohne Zusammenhalt für die nächsten paar Kilometer, bis ich es dann auf der Borgfelder Straße (Strava: „Berliner Tor Climb“) allein versuchte. Hoch da und weg, ich war da erstmal allein. Ein Stückchen. Mittelmäßig ausgelaugt kam ich dann an der Innenalster an, ein paar weniger ausgelaugte Konkurrenten überholten mich und ich konnte kaum dranbleiben. Aber spätestens am Gänsemarkt ist man sich ja bewußt, daß man es so gut wie geschafft hat, das gibt dann schon mal eine Kalorie extra. Dragonerstall, links auf die Kaiser-Wilhelm-Straße und nur leicht geschlängelt bis ins Ziel. Da waren da noch ein paar Fahrer, die ich unbedingt noch kriegen wollte, ich kam auch immer näher, da plötzlich kam noch eine größere Truppe von hinten, links und rechts an mir vorbei, und ich war zu fertig, um wenigstens mit dieser Truppe ins Ziel zu kommen.

Na egal, da waren dann plötzlich die vielen Zuschauer, Trubel, Stimmung, der Sprecher im Zielbereich, nochmal alles raus, alles für den Schnitt und den guten Eindruck, das Ziel – vorbei. Mal wieder geschafft!

Ziel 1 sturzfrei: geschafft.

Ziel 2 pannenfrei: geschafft.

Ziel 3 im besten Fünftel aller Teilnehmer: geschafft. Platz 815 von 5328.

Ziel 4 im besten Fünftel der Altersklasse: geschafft. Platz 223 von 1945.

Schnitt (von zu vielen Faktoren abhängig) 38,23 km/h.

Nächstes Jahr wieder!

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#Giro101

erich's sportblog

Mit Interesse, wie jedes Jahr, habe ich den Giro d’Italia 2018, im TV und in der Presse, verfolgt. Rein sportlich war der Giro 2018, spätestens nach der Rückkehr aus Israel für mich eine spannende Angelegenheit. Ich mag den Giro schon allein wegen den tollen Bildern, Ausnahme Zeitfahren, die uns die RAI, gespickt mit Informationen, immer wieder präsentiert. Die Strecke fand ich zwar, gelinde gesagt, suboptimal und trotzdem war ich erneut fasziniert über die Vielfältigkeit unseres südlichen Nachbarlandes. Man war bemüht keinen „Promihoger“ oder ähnliches auszulassen. Via Ätna, Gran Sasso 
oder Monte Zoncolan war alles dabei. Dass die Entscheidung dann am Colle delle Finestre herbei geführt wurde wundert mich nicht. Wer was und wie jedoch schon. Sah man in den Tagen vor der 18. Etappe nach Prato Nevoso in der Person von Simon Yates (Mitchelton-Scott-Team ) einen souveränen Leader wankte er bei der 18. Etappe bevor er dann bei der 19…

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Die Quittung

Es geht nicht so recht voran mit dem Gewicht. Letzte Woche noch ca. 200g abgenommen, diese Woche wieder 300g drauf. Schlecht.

An Tagen mit erwähnenswerter sportlicher Aktivität geht die Rechnung mit den Kalorien ja auf. Egal ob 600 oder 3000 verbrauchte Kilokalorien, das wichtige Minus steht. Mein Tagesziel, also die rund 1750 kCal aufgenommene Energie, wird nicht überschritten. Schwer wird es ohne Aktivität. Allein ein vermeintlich kleines Frühstück bringt schon den halben Tagesetat. Es klingt wenig: 2 Scheiben Toastbrot (meist „Harry Körnerbalance“), etwas Butter, eine Scheibe mit Käse, eine mit Schinken, hin und wieder ein Ei, zwei Tassen (okay, Becher) Kaffee mit Milch und etwas Zucker, knapp 1000 kCal. Zuviel.

Alternativen hat mir z.B.  Erich von Almen aufgezeigt, eine ganze Produktlinie mit vielen guten Eigenschaften für den Sportler. Auch aus Richtung Dr. Feil und Prof. Dr. Froböse kommen jede Menge Hinweise, Anleitungen und natürlich auch passende Produkte, die eine deutlich bessere Fitness und höhere Leistungsfähigkeit verheißen. Grundtenor: deutlich weniger Kohlenhydrate, hochwertige Eiweiße und Fette, forderndes Training und richtige Regeneration. Eigentlich ganz einfach.

Ich versuche eher die Methoden zu übernehmen, weniger irgendwelche Produkte oder kostenpflichtige Kurse. Und ich glaube (!), daß solche Methoden rund um die Ernährung auch mit gering verarbeiteten Lebensmitteln funktionieren. Ich mag keine Tabletten oder Pülverchen, ich mag möglichst naturbelassene Rohstoffe. Ich möchte meine Lebensmittel „ganz normal“ im örtlichen Einzelhandel kaufen, am besten auch noch regional und in Bioqualität. Genau das ist mein (nahezu) täglicher Kampf.

Allerdings gab es zuletzt Rückschläge. Zum einen habe ich z.B. mein vermeintliches Mini-Frühstück noch nicht verändert, zum anderen habe ich meinen eigenen Grundsatz zu oft verletzt, an Tagen ohne Training richtig konsequent unter den 1700 kCal zu bleiben. Größenordnung 12-14 Flaschen Bier pro Monat sollte ich auch mal überdenken, mit der Hälfte wäre ich noch nicht bei der Askese angelangt. Nach größeren Touren sollte ich mich eher auf die schnelle Eiweißaufnahme beschränken und das ganze nicht wie leider noch üblich in einem allzu üppigen Finisher-Freßgelage enden zu lassen.

Genau genommen muß ich ja nur meine eigenen Regeln einhalten. Mehr nicht. Auf in die nächste Woche.

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Neue Zahlen und mehr

Ein leichtes Hoch und Runter und am Ende der sportlich eher mageren Runde gerade mal 100 Gramm weniger als am letzten Wochenende – mehr war nicht drin. Körperfett so ungefähr im Trend (nach unten), genau genommen nur im Bereich der Meßungenauigkeiten. Der Befreiungsschlag nach unten hat nicht stattgefunden.
In der täglichen Energiebilanz gab es diese Woche zwei Tage mit einem Kalorienüberschuß von jeweils knapp 400 kCal, ansonsten immer sehr knapp darunter. Ich muß mir wohl für das Frühstück etwas einfallen lassen. Zwei Toastscheiben mit etwas drauf und zwei Tassen Kaffee (+Milch, +Zucker) sind ja schon knappe 1000kCal, da bleiben für zwei weitere Mahlzeiten gemäß der anvisierten 1700 kCal nur noch Möhrchen, Salat und ein Ei. Mehr muß ich mir gemäß der Aussage von MyFitnessPal mit Training „verdienen“. Die Richtung scheint klar, aber es ist wirklich hart.

Heute gab es die erste Fahrt mit dem neuen Laufradsatz. Erster Eindruck: sehr komfortabel! Durch die recht breite Felge zieht es auch die Reifen in die Breite, der 23er Conti ist fast so breit wie der 25er auf einer Veltec-Felge. Daß die Räder insgesamt schwerer als nur 1500g (nackt) sind spürt man schon, aber sie sind auch sehr steif. So bin ich auf einer für meine Verhältnisse mittelmäßig profilierten Strecke (56km, 390HM) im GA2-Bereich 28km/h Schnitt gefahren, für winterliche Klamotten relativ schnell. Dieser Laufradsatz scheint meine Erwartungen also zu bestätigen.

Kommende Woche muß ich mir was einfallen lassen, um ein einigermaßen beachtenswertes sportliches Pensum hinzulegen. Eine Maßnahme wird sein, alles für eine Fahrt benötigte sehr griffbereit und zentral zu positionieren. Halbe Stunde vor und nach dem Training ist zuviel, die Hälfte müßte reichen. Ich bin da eben so ein Bummelheinz, genau wie früher im Sportunterricht und im Training beim Club, im Laufen einer der schnellsten, im Umziehen mit Abstand der langsamste. Da muß ich an mir arbeiten.

Und ich fange JETZT mit den Vorbereitungen für’s Training morgen an.

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