Gesundes neues Jahr!

Wir schreiben den 2. Januar 2011, das sind zwei Tage, nachdem üblicherweise Vorsätze erdacht, vorgenommen und ausgesprochen wurden. Gern auch gelallt. Heute wurden wieder tausendfach die vorgestern verdammten Zigaretten geraucht, gegen Sport fanden sich auch schon genug Ausreden. Gesundes Essen? Das gekaufte Zeugs aus dem Kühlschrank muss doch noch weg.

Ich lass das mit den Vorsätzen seit Jahren weg. Das mit dem Rauchen habe ich anders geschafft, zum Sport habe ich auf einem anderen Weg gefunden, genauso wie zu gesundem Essen. Komisch, etliche Vorsätze haben etwas mit Gesundheit zu tun.

Und sobald etwas mit der Gesundheit nicht so recht im Lot ist, hat man mit dem Gesundheitswesen zu tun. Eine teure Angelegenheit, ist doch jede Berührung mit diesem System trotz Krankenversicherung mit finanziellem Aufwand verbunden. Schlimmer: Mit ständig steigendem finanziellem Aufwand. Und da ist der 2011 steigende Beitragssatz für die Krankenversicherung nur ein winziges Pünktchen, den verbuchen wir mal als Indikator für beständig scheiternde Gesundheitspolitik, egal welche „Volkspartei“ die nun verbockt hat.

Kann sich noch jemand an das „Krankenhaus-Notopfer“ erinnern? Vor mehr als einem Jahrzehnt, 20 DM. Hahaha, ich habe es nicht bezahlt. Nein, kein Lachen, ich hätte kotzen können! Da bin ich gerade zu dieser Zeit regelmäßig an einem großen Berliner Krankenhaus vorbei gefahren, genauer am Parkplatz der Angestellten und der Halbgötter in Weiß. Porsche, S- und M- Klasse, große Autos mit Niere oder vier Ringen. Und ich selbst mit Hungerlohn, der auch noch regelmäßig verspätet oder gar nicht ausgezahlt wurde. Den Eignern dieser Karossen sollte ich ein „Notopfer“ bringen? Geht’s noch?

Nun könnte man das durchaus auch als Sozialneid abtun. Aber es war natürlich auch eine soziale Frage, als im gleichen Jahr dringend eine neue Brille benötigte. Da hatte sich die Krankenversicherung natürlich auch schon weitestgehend herausgemogelt. Die Brille ist ja längst kein medizinisch begründetes Heil- und Hilfsmittel mehr, sondern wahlweise ein individueller Wertgegenstand oder ein modisches Accessoire. Manch einer kann ohne so ein Ding kaum das Haus verlassen, aber das ist unseren Gesundheitspolitikern ja egal.  Ich weiß gar nicht mehr, gab es da nicht noch die 20 DM für ja was auch immer von der KK dazu? Na gut, egal, 20 DM sind einfach nur lächerlich im Vergleich zur Gesamtsumme von ca 500 DM (darunter gibt es keine sinnvollen Gläser für meine Augen). Ich vermute im Nachherein, daß auch in diesem Jahr die KK-Beiträge stiegen.

Derzeit stecken wir mitten im Abschied der Gesetzlichen Krankenkassen von der Zahngesundheit. Mach den Mund auf und ich sage dir wieviel Einkommen du hast, so läßt sich die Sache einfach ausdrücken. Ich mag jetzt nicht auf alle Einzelheiten dieses Abschieds eingehen, nur soviel: Der Beitragssatz ist trotz stetig gesunkener Leistungen nicht gesunken, sondern weiter gestiegen. Und den privaten Krankenversicherungen wird ein immer größerer Markt bereitet.

Ab und zu muss auch ich mal in die Apotheke. Und so gut wie jedes Mal höre ich vorn am Tresen eine Diskussion: „Dafür musste ich doch letztes Mal noch nichts bezahlen?!“ „Tut mir Leid, da können wir auch nichts dafür. Die Hersteller …“ ja, die haben mal wieder an der Preisschraube gedreht. Ungehindert.

Es ist kein Versagen, sondern Vorsatz, daß den Gesetzlichen Krankenversicherungen die Einnahmeseite immer weiter verschlechtert wird. Entgegen dem Solidarprinzip werden den „Starken“ ihre Anteile am Gesamtsystem erspart oder zumindest gedeckelt. Man kann sich von der Beitragspflicht BEFREIEN lassen, das sagt doch schon alles. Auf der anderen Seite wird ebenfalls BEFREIT, bei den Minijobs brauchen die Firmen und Unternehmer ebenfalls keine Beiträge zu bezahlen. Gesundheitswesen, Rente? Scheißegal, meint jedenfalls die Politik. Ach ja, Rente … Zu den Machenschaften der obersten Versicherungsvertreter Rührup und Riester und deren Hintermännern schreibe ich jetzt nichts, das könnte mehr Umfang haben als das deutsche Strafgesetzbuch.

Unser Noch-Gesundheitsminister Philipp Rösler war und ist nun auch ein voller Erfolg. Nicht unbedingt für die Versicherten, auch nicht für die ihm anvertrauten Gesetzlichen Krankenkassen. Nein, für die Privaten. Hinter all seinem nebulösen Geschwafel verbergen sich unscheinbare Zahlen und dramatische Effekte: 14,9% auf 15,5% Beitragssatz, dabei bleibt der AG-Anteil gedeckelt und soll auch in Zukunft nicht mehr erhöht werden. Wer bezahlt es? Der, dem eigentlich „mehr Netto vom Brutto“ versprochen wurde. Dazu statt bisher maximal 8 Euro Zusatzbeitrag nun xx Euro, beliebig offen für Erhöhungen. Wer zahlt’s? Zusatzbeiträge beliebig erhöhbar, damit hat unsere schwarz-gelbe Regierung das System der Gesetzlichen Krankenkassen in den Zustand des freien Falls versetzt. Ich denke, wir sollten Philipp Rösler dafür ein Denkmal setzen. Nach käuflichen VW-Aufsichtsräten und professoralen Versicherungsvertretern könnte er doch Namensgeber für die unter seiner Regie eingeführten Zusatzbeiträge werden, wie wäre es ganz einfach mit „Rösler-Beiträge“? „Die Rösler-Beiträge sind im Jahr 2011 auf durchschnittlich 25 Euro monatlich angestiegen“ würden dann die Meldungen lauten. Paßt doch, oder?

Ich wünsche uns allen für 2011 Gesundheit. Ich wünsche uns wenig Arztbesuche, wenig Rezepte, wenig Heil- und Hilfsmittel, wenig Krankenhausbesuche. Ihr wisst warum.

Über rennradopa

Ein Opa mit einem Rennrad. Hier wird selbst gedacht und selbst gemacht.
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Eine Antwort zu Gesundes neues Jahr!

  1. Maddin schreibt:

    Na das nenne ich mal einen Einstiegsartikel für einen neuen Blog. Über die „Gesundheits“Politik kann man tatsächlich nur noch den Kopf schütteln und am Besten beten, das man erst gar nicht krank wird.
    Ich wünsche Dir auch ein gutes und vor allem gesundes, neues Jahr.

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