Laufen

Früher bin ich mal ganz viel und ganz schnell gelaufen. Als Sprinter war ich um so besser, je kürzer die Strecke war. 100m waren gut, 60m (in der Halle) waren besser. Dennoch waren es auch mal um die 100km pro Woche, die ich in mehr oder weniger lange Einheiten absolvierte. Allerdings war das richtig früher, Schulzeit. In der Lehre war es schon deutlich weniger, und irgendwann hatte ich dann meine läuferischen Aktivitäten auf Null herunter gefahren.

Schade auch. Dazu eine ca 30-jährige Raucherkarriere, relativ ungehemmte Freßeinlagen über Jahre hinweg und lange Zeit regelmäßig um die 2 Flaschen Bier täglich, gern auch mal mehr. In diesen 30 Jahren kamen so ca. 30kg zum Lebendgewicht dazu. Oder auch: Schlachtgewicht. Ich kam mir vor wie ein fettes Schwein und konnte mich vor knapp 3 Jahren zu einem Wechsel meiner Lebensgewohnheiten durchringen. Etwas Fahrrad, viel Fahrrad und dann viel Rennrad hießen die Stationen, die mir immerhin einen Gewichtsverlust von 10 kg eingebracht haben.

Vor 2 Jahren dann der erste Versuch seit Jahrzehnten, meinen noch untrainierten Körper laufend von A nach B zu bewegen. Nach 300 Metern fix und fertig und Puls bei über 180, was soll ich sagen, es blieb bei dieser einen Runde.

Das Radtraining ging unterdessen weiter. Grundlagenausdauer, Intervalltraining, dazu im Winter Krafttraining, es ging so richtig bergauf, 2 Radrennen inklusive. Von Voll-Lusche auf 37km/h Schnitt, Tendenz weiter steigend, aber trotzdem blieb eine Unzufriedenheit, die mit jedem größeren und längeren Berg und mit jeder Gewichtskontrolle stärker wurde. Irgendwas Entscheidendes fehlt in meinem Trainingsplan.

Es stand schon zum Jahresanfang fest: Dieses Jahr beginne ich wieder mit Laufen. Die guten Asics hatte ich schon, es fehlte nur noch die richtige Hose. Die hab ich dann heute gekauft, im Jenaer „Laufladen“ (ich spreche hiermit eine Empfehlung aus, die haben Ahnung). Und schon hatte ich keine Ausreden mehr, heute was es soweit.

Los gings, Felix-Auerbach-Straße raus, auf die Emil Wölk, dann hinter dem Lärmschutzdamm an der A4 hoch zur Stadtrodaer Straße. Ampel, endlich erste Pause! Puls 160 und Beine sauer, aber gegenüber den Laufversuchen vor zwei Jahren war ich nicht total außer Atem. Immerhin. Grüne Ampel und 130er Puls, über die A4 und rein in die Brüsseler Straße (ein Gewerbegebiet), vor „DAKO“ dann die nächste Pause. Wieder 160er Puls, wieder Beine sauer. Aber es dauerte weniger als eine Minute und ich war bei 120 und relativ frisch.

Vielleicht war ich für den Anfang zu schnell, deshalb hab ich dann einen Gang rausgenommen. Hinter zur Autobahn, dann zurück, eine kleine Runde zwischen Autobahntunnel und Brüsseler Straße, die Etappen wurden immer länger. Ein paar Runden und dann zurück über Brüsseler Straße und Autobahnbrücke, netto etwas mehr als eine Stunde im Laufschritt.

Bis hierher alles im grünen Bereich, auch diese gewisse Ziel-Euphorie (der Ausdauersportler kennt dieses Gefühl) war da. Treppe hoch, zuhause, alles okay. Dann Schatzi: „Kannst Du bitte noch den Müll runter bringen?“ Ja klar doch, also wieder Treppe runter – ach du Scheiße! Meine von Rennrad und Mountainbike gestählten Oberschenkel gaben ein brüllendes „MIAU“ von sich! Muskelkater direkt nach dem Laufen, was soll denn das? Ist inmitten meiner gestählten Oberschenkelmuskulatur noch ein kleiner, untrainierter Kümmerling, der jetzt mal im Mittelpunkt stehen möchte?

Nun gut, jetzt kann ich kaum etwas vom Fußboden aufheben, aber ich vertraue auf eine schnelle Regeneration, unterstützt von allen möglichen Wundermittelchen: Proteinriegel, Kirschsaft, Einreibung. Morgenweiß ich mehr, ich werde berichten. Aber es bleibt ein Fazit: Ich werde weiter laufen, mindestens einmal pro Woche. Aus Gründen.

Über rennradopa

Ein Opa mit einem Rennrad. Hier wird selbst gedacht und selbst gemacht.
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