Vom Händler vergrault

Normalerweise muß man sich schon einiges leisten, um mich zu verärgern. Vielleicht auch schon zu viel, lasse ich denn viel zu viel zu? Mit einem kleinen zeitlichen Abstand versuche ich jetzt mal, von einer mißglückten Händler-Kunden-Beziehung zu berichten.

Vor knapp zwei Jahren reifte bei mir der Entschluß, ein Rennrad zu erwerben. Nicht von heute auf morgen, ich wollte mir das Rennrad zusammensparen. Der preisliche Rahmen war etwas weiter als die absolute Einsteigerklasse gesteckt, bis 1500 Euro wollte ich gehen. Es begann die übliche Internetrecherche und Prospektwälzerei, nüchterne Tabellen mit allen erdenklichen, in Zahlen faßbaren Merkmalen folgten. Bilder aus dem Internet, Messebesuche, erstes Anfassen beim Händler, so langsam wurde es auch immer emotionaler. Dazu stellte sich mir eine Frage: Wäre ein Cyclocross nicht überlegenswert, auch angesichts der Straßen- und Wegebeschaffenheit meiner bisherigen Trainingsstrecken. Diese Frage hatte ich dann auch in das Forum der „Roadbike“ gestellt. Das Wichtigste war jedoch: Ich hatte zuvor nie auf einem Rennrad gesessen, Probefahrt war also Pflicht (es hätte auch das Ende vor dem Anfang sein können).

Ich war etwas auf Haibike voreingestellt, sowohl die „Race“ b.z.w. „Q-Race“-RR-Modelle als auch die „Hai Noon“-CC-Modelle hatten es mir irgendwie angetan. Hin zum hiesigen Händler mit Haibike im Sortiment und … blanke Enttäuschung! Keine Probefahrt! Etwas später war in Leipzig eine Rad-Messe, Haibike nicht verteten. Mail an Haibike blieb unbeantwortet. So ist die Marke „Haibike“ für mich Stück für Stück gestorben.

Dann hatte ich in der Nähe eines sehr zentral in der Mitte Jena’s ansässigen Radhändler zu tun, der führt(e) auch Stevens, von denen ich sowohl im Forum als auch durch eigene Recherche etwas mitbekommen hatte. Und dieser Radhändler in der Mitte von Jena bot die Möglichkeit einer Probefahrt, was mir nach Lektüre diverser Forenbeiträge schon gar nicht mehr so selbstverständlich schien. Auf gings zur Probefahrt – mit manipulierter Gangschaltung. Das große Kettenblatt war „wegen eines Defektes nicht erreichbar“. Damals habe ich das geglaubt. Kurzum: Trotz geringer Geschwindigkeiten empfand ich das „Cyclocross“ von Stevens als recht angenehm, entschied mich dann aber letztlich für die nächst bessere Variante, das „Prestige“. Um ein echtes Rennrad ging es schon gar nicht mehr. Hätte mich ein anderer Händler probeweise auf ein Rennrad gesetzt?

Dann kam der erste Service, kostenlos, aber wie sich herausstellte, umsonst. An einem Dienstag hingebracht stand das CC drei Tage in der Werkstatt herum, bis dann nach längerem Drängeln meinerseits endlich was passierte. Man hat mir also die Bremsen inkl. Gummis großflächig mit Öl eingesaut und die Ultegra gründlich verstellt. Den Service hab ich zuhause selbst gemacht, Öl entfernt und – als blutiger Anfänger – die Ultegra wieder richtig eingestellt.

Dann der zweite Service, 1000km später. Ich mußte lange herumdiskutieren, bis man endlich kapierte, daß ich das CC nicht nochmal 3 Tage dort herumstehen lasse. Heute hin und morgen zurück, basta! Und Finger weg von der Schaltung! Daran hielt man sich, aber man fand die Kette auswechselwürdig. Die Kettenleere des Händlers zeigte es an. Heute weiß ich, daß meine eigene Kettenleere den Wechsel erst nach ca 3,5-4 tkm anzeigt. Aber der Händler wollte eben eine CN 6700 für 57 Euro loswerden. Das Thema „Service“ hatte sich an dieser Stelle bereits erledigt.

Dummerweise hat sich meine Herzallerliebste kurz darauf in ein Stevens Jazz verguckt, naja, da haben wir es eben gekauft. Und letzten Winter konnte ich beim gleichen Händler bei einem Stevens 6S MTB ebenfalls nicht „nein“ sagen. Immerhin gab es jedesmal Probefahrten…

Nun hat es sich der saufende Teil der nichtarbeitenden Bevölkerung Jenas zur Aufgabe gemacht, sämtliche Radwege mit den Überresten ihrer Billig-Bier-Flaschen zu verschönen. Mag ja schön in der Sonne glitzern, aber es bohrt sich auch verdammt schnell in die Laufflächen eines Conti Mountain King und weiter durch den Schlauch. Einmal vorne, einmal hinten. Danke sehr!

Es war Dienstag, und ich wollte bis zum Wochenende einen Marathon Plus (also: zwei, vorn und hinten). Dummerweise lief ich wieder zum Händler in der Mitte von Jena, der sagte zu: Mit der Lieferung am Mittwoch kommen auch die Reifen. Tja, sie kamen nicht am Mittwoch. Auch nicht am Donnerstag. Auch nicht am Freitag. Ich hätte denen pro Stück 50 Euro gezahlt, deutlich mehr als im Internet, nur müßten sie eben da sein.

An diesem Wochenende hatte ich richtig frei, wollte (auch wegen dem Winterpokal) so einen richtig langen Ritt wagen. Aber eben nicht auf den Mountain Kings. Und so blieb mir wegen diesem Totalausfall am Freitagabend nur eins: Das Cyclocross klarmachen. Das stand noch auf der Rolle, hinten Rollenreifen drauf, noch das dreckige, ehemals weiße Lenkerband vom Vorjahr, alte Kassette, alte Kette … Um Mitternacht hatte ich es fertig, naja, das Wickeln des Lenkerbandes muß ich wohl noch üben. Völlig übermüdet habe ich dann am Samstag eine über 6-stündige Tour durchgezogen, es sollte doch eigentlich ganz anders laufen.

Am Mittwoch nach der Tour, 8 Tage nach der Bestellung, hatte mein lieber Händler den Marathon Plus immernoch nicht vorrätig. Da bin ich dann doch „etwas“ laut geworden in diesem Laden, aber: zum letzten Mal!

In Jena sind die Händler mit „K“ ein Problem, der eine ist der in der Mitte und da gibt es dann noch einen mit einer sehr durchwachsenen Verkäuferschar. Der eine hat es fertiggebracht, mich durch ausgewachsene Dampfplauderei davon abzuhalten, ein wirkliches Superschnäppchen in seinem Laden zu kaufen. Anstelle des Stevens hätte es ein super Fokus sein können, richtig böse im Preis runtergeschraubt. Aber dieser Vollidiot von Verkäufer hat mir seinen eigenen Laden weggeekelt.

Jetzt schau ich immer mal bei Bike-and-Snow rein, jaaaa, das blaue Specialized Roubaix Expert SL im Schaufenster wäre genau das ri … Schluß mit träumen, jedenfalls hab ich dort erstmal die MTB-Reifen und Kleinzeugs gekauft, vielleicht wird es ja mit denen was. Vielleicht.

Oder auch Internethändler, naja, Hibike hat nach einer Bestellung nun auch die Verfügbarkeit von zwei auf 8 Wochen hochgeschraubt, na klar doch, der Schuldige ist natürlich FSA, aber ich würde gern das Teil vor den NSC noch ausprobieren und nicht erst einen Tag vor dem Rennen ranschrauben. Bezahlt ist es nun schon, Vorkasse, nie wieder. … Alle ein bischen doof im Kopf?

Jetzt mal ehrlich, welchem Händler kann man denn soviel Vertrauen schenken, daß man ausgerechnet bei ihm ein Rennrad im Wert von ca 3000 Euro kauft? Man wird wohl bei jedem die Dollarzeichen in den Augen erkennen, verkaufen wird so ein Teil wohl jeder gerne, nur wem kann man wirklich vertrauen, wer beherrscht so ein Rennrad auch im Service, wer stellt es vor dem Rennen noch mal 100%ig ein, wer hält sich an Zusagen (oder erteilt sie nicht, wenn er sie nicht einhalten kann)?

Ich denke, daß ich da wohl noch mal so richtig von vorne anfangen muß. Ich brauch da einen verläßlichen Partner, unter dem läuft nichts mehr.

Danke für die Aufmerksamkeit.

Über rennradopa

Ein Opa mit einem Rennrad. Hier wird selbst gedacht und selbst gemacht.
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Eine Antwort zu Vom Händler vergrault

  1. Ralph schreibt:

    Nur gut das mein Händler in Ordnung ist, der organisiert sogar Probefahrten direkt mit dem Hersteller 🙂 Aber ich glaube es gibt immer diese doch etwas bekloppteren Händler, schade drum! Das mal Bestellungen beim Händler nicht klappen, meine Güte passiert halt. Ich warte seit 3 Wochen auf ’ne Internetbestellung 😦 und werde diese heute stornieren! Vllt findest du ja noch einen „guten“ Schrauber und Verkäufer vor Ort!!

    Liken

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