Winter – Delle

Ich hasse den Winter!

Da plant man nun so seine Radsportsaison, wälzt Bücher, studiert Trainingspläne von anderen Sportlern, schaut in seine eigenen Aufzeichnungen, saugt jeden nur möglichen Input in sich auf („Der erfolgreiche xxx-Sportler wird im Winter gemacht!“), will anfangen, und <plautz> hat sich alles in Luft aufgelöst, weil eine der vielen Unbekannten wieder mal zugeschlagen hat.

Unbekannte? Stimmt eigentlich nicht. Sobald es etwas kälter wird, kommt Jahr für Jahr eine Grippewelle nach Europa. Diverse kleine Krankheiten und Beschwerden rund um die Atmungsorgane kommen dazu. Zipperlein bei der Wetterumstellung, naja, das kommentiere ich mal mit „Mimimi“.

Ich habe mir für dieses Jahr die Beschwerden der Atmungsorgane herausgesucht. Erst Husten und Schnupfen, da es länger als „üblich“ dauerte noch ein gewisser Druck auf der Lunge. Immer knapp unterhalb der „Krankschreibungsschwelle“, als kerniger Deutscher geht man mit einem Schnupfen doch nicht zum Arzt. Nicht richtig krank, aber längst auch nicht richtig gesund, dummerweise nicht die üblichen 7 Tage, sondern gleich mal drei Wochen.

Keine Frage: Krank und Training passen nicht zusammen! Weiß jeder, weiß ich auch, trotzdem konnte ich mir am 5.3. eine längere Trainingseinheit nicht verkneifen, obwohl ich an diesem Tag wohl noch nicht 100% gesund war. Gut gefühlt, aber Puls viel zu hoch. 140km weit. Es hat mir nicht gut getan.

Dabei wollte ich nur Trainingsrückstände ausgleichen. Die Tage davor „kränker“ und dazu an 6 Tagen hintereinander 12h-Schichten gehabt, die Training so gut wie verhindern. 4:00 Aufstehen und dann 19:30 heimkommen, bei einem Schlafbedarf von 6-8 Stunden muß man schon zusehen, was man an einem solchen Abend macht. Bestimmt macht man aber nichts, was inklusive Vor- und Nachbereitung mehr als 1,5h dauert, ja, eigentlich eine Stunde. Für eine Ausdauersportart ist das schlicht NICHTS.

Dazu kommt im Winter dieses sportverhindernde weiße Zeug, was da nun schon wieder überall rumliegt. Das mag für Wintersportgegenden der pure Segen sein, für die meisten Städte ist es nur ein Störfaktor. Es reicht nicht für Wintersport und verhindert Sommersportarten, so einfach ist die Rechnung. Hier gibt es keine Abfahrten oder Loipen, hier gibt es nur schlecht geräumte Straßen und Radwege.

Da geht es ja weiter. Bis zu meinem 16. Lebensjahr bin ich ja schon mal mit dem Fahrrad gefahren. Durch’s Gelände, „Downhill“ (hieß früher mal „Berg runter“), freihändig die „36 Kurven“ zwischen Kyffhäuser und Kelbra runter (der Ortskundige weiß, wovon ich spreche). Wildheit auf zwei Rädern, naja, wie fast alle in meinem Alter damals. Wer mich jetzt beim Radfahren beobachtet, wird eine gewisse Ungeschicklichkeit feststellen. Nix mehr nicht freihändig, kein Downhill, kein Auf- oder Abspringen vom Rad, und vom Springen mit dem Rad will ich gar nicht erst reden. Es ist zwar deutlich besser geworden in den letzten 5 Jahren, aber Mr. Ungeschick läßt immer mal grüßen. Und jetzt kommt’s: Neben meinen 3 Klickpedal – Eingewöhnungsstürzen waren alle anderen Stürze immer in der kalten Jahreszeit. Eis, feuchter Film drüber, Kurve, Vorderrad weg -bratsch!

Dabei hatte ich es mir auch schon mal anders ausgemalt: Mit dem Crosser durch die Winterlandschaft, über die Waldwege, rauf und runter vom Rad, nach und nach immer bessere Radbeherrschung, auch laufen zwischendurch, eventuell auch mal die Stunde unter Volldampf mit allen Sinnen in einem Wettkampf durchleiden. Und auch beim Mountainbike hatte ich wenn nicht Trials dann wenigstens typische Waldwege im Visier, gern auch im Winter. Und die Realität: Vor der „Geländestrecke“ steht die Fahrt über Beton, Asphalt, zugefrorene Pfützen mit Schnee versteckt, schlecht erkennbare Spurrinnen aus Eis, gefallen wird nicht auf Schnee/Moos/Gras, sondern auf eben diesen harten Untergrund. Dazu die Erinnerungen an die Stürze im Hinterkopf – nein, das geht derzeit nicht und im Dunkeln sowieso nicht.

Was noch: Muckibude. 45 Minuten hin, 45 Minuten zurück. Geht nur während „normaler“ Schichten. Maximal einmal pro Woche in ein Wintersportgebiet im Vogtland oder im Thüringer Wald wäre möglich, tja, genauso wie die Fahrt ins nächste brauchbare Schwimmbad (hier: Gera, Hofwiesenbad). Und nichts, was man vor der Haustür machen könnte.

Höchstens Laufen. Ja, das sehe ich derzeit als einzigen Ausweg. Wenn dann irgendwann mal meine Laufstrecke belaufbar ist, werde ich damit beginnen. Nach Knieoperation samt heilungsprozeß (zu 98% abgeschlossen) und einer für mich neuen Lauftechnik („Tippelschritt supersanft“) geht es nun wieder, geplant ist mindestens ein Lauf pro Woche, eher zwei, vorläufig ca eine Stunde pro Lauf.

Ich hoffe also, daß mir das Laufen irgendwie eine gewisse Form bringen wird, daß ich zusammen mit einer neuen kulinarischen Vernunft endlich an die 90kg-Grenze komme und daß ich für das erste Rennen der Saison am 19. Mai in Zwenkau einfach gut gerüstet sein werde.

Trotz dieses Winters.

Über rennradopa

Ein Opa mit einem Rennrad. Hier wird selbst gedacht und selbst gemacht.
Dieser Beitrag wurde unter Sport veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Eine Antwort zu Winter – Delle

  1. Ich glaub die Sehnsucht nach dem Frühling hat uns nun wirklich fest im Griff.

    Liken

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.