Wider den tierischen … Knieschmerz

Wie gut, daß das Knie nach dem Meniskus-Anriß im Oktober 2014 nicht die ganze Zeit wehgetan hat, nein, es war mal mehr, mal weniger, mal gar nicht. Der Orthopäde in der Erfurter Sportklinik sagte sinngemäß: „Zur Not kann man sich auch ohne Operation eine ganze Zeit lang durchmogeln …“ Nur eben nicht, wenn man Sport treiben möchte, will, muß.

Am 16 Februar war es dann soweit. OP-Termin.

Anästhesie oder: „Das werde ich jetzt nicht mit Ihnen ausdiskutieren!“

Am Abend vor der Operation kam ein Anruf von einem Anesthäsisten der Sportklinik. Das war mir neu, aber dann auch ganz recht. Nochmals kleine Erläuterungen zur bevorstehenden Operation und speziell zur Anästhesie, und im Gegesatz zu vorherigen strengen Regeln durfte ich nun sogar noch 2 Stunden vor der Operation ein Tässchen Tee trinken, sogar gesüßt. Alles ganz locker.

Am Operationstag war die Lockerheit bald dahin. Gleich nach der Anmeldung ein weiteres Gespräch zum Thema „seeliges Schlafen während chirurgischer Eingriffe“, diesmal mit der für mich und meine OP zuständigen Anästhesistin. Ach ja, Spezialthema Blutverdünnung, Falithrom, Mono-Embolex, und wie ist der aktuelle INR? Ach du Scheiße, kein Wert, habe gestern nicht gemessen! „Da ist doch der Wert von Mittwoch und ab da habe ich das Falithrom abgesetzt …“ „Ich brauche den Wert von heute. Den bestimmen wir jetzt und dann sehen wir, ob Sie heute operiert werden.“ „Welchen Wert müßte ich denn haben?“ „Das werde ich jetzt nicht mit Ihnen ausdiskutieren.“ Ein Tonfall, der keine Widerworte zuließ. Oh, jetzt alles umsonst, OP irgendwann im März, April, Mai?

Zwanzig Minuten später war ich eingeschleust. Zugang am Arm, zuvor gefühlt einen Eimer Blut abgegeben, nun Wartemodus mit Gedanken daran, möglicherweise ohne Operation wieder ausgeschleust zu werden. Eine knappe Stunde Ungewißheit, was nun passiert, im Nachherein betrachtet war das eigentlich das Schlimmste an der ganzen Operation. Drei nach mir eingeschleuste Patienten wurden vorgezogen und ich in Wartestellung. Dann schwebte endlich diese superentschlossene Anästhesistin vorbei, nur ein kurzer Blick und Daumen hoch, YES YES YES! Kurz darauf kamen zwei Schwestern vorbei und drückten mir fast synchron zwei kleine Mono-Embolex unter die Haut. Es konnte losgehen!

Operation. Ambulant und schnell vorbei

Ein Stück wurde ich samt Bett in den OP-Trakt hinein gefahren, die letzten Meter waren dann zu Fuß. „Na, dann legen Sie sich mal hier drauf“, rauf, rechter Arm zur Blutdruckmessung vorbereitet, linker Arm fixiert. Ein Schlauch wurde an den Zugang angeschlossen, „ich bringe Sie nun in die anästhesistische Glückseeligkeit“ und ich nach kurzer Zeit: „Ich glaube, ich schlafe gleich …“

…  …  …

Da lag ich schon wieder im Aufwachraum. Rechtes Bein noch in einer Manschette, leicht erhöht, Drainage befördert so einiges aus dem Knie heraus. Kein Schmerz. Kein Smartphone in der Nähe, Mist! Schließlich bin ich Twitterer! Eine Stunde Langeweile. Dann Heimfahrt, Schatzi fährt mich nach Hause.

Wohin mit dem vielen Blut?

Die Drainage leistete ganze Arbeit, gegen 19 Uhr ist die Flasche so gut wie voll. Auskippen, wie dranstecken? Naja, lieber nicht, ich rief also die Notnummer der Sportklinik an und wurde nochmal nach Erfurt gebeten. Ich durfte ja nicht fahren, also mußte Schatzi nochmal ran, einmal Erfurt und zurück im Dunkel der Nacht. Für sie kein Anlaß zu Begeisterungsstürmen, aber was hilft’s? In Erfurt wurde dann tatsächlich nur die Flasche gewechselt, und letztlich kam dann über Nacht nicht mehr allzuviel dazu. Möglicherweise habe ich ja dabei 250g abgenommen.

Der Tag danach oder: Die große Angst

Tags drauf war ich dann wieder in Erfurt. Ich hatte so meine bösen Vorahnungen, gespeist aus den Erfahrungen mit dem linken Knie von vor 3 Jahren. Damals war das Herausziehen der Drainage von einem zwar kurzen, aber äußerst heftigen Schmerz begleitet. Allein diese Vorahnung betäubten fast alle meine Sinne, „So, Herr Stöckel, dann kommen Sie mal …“ hatte eine bestimmt 10fach stärkere Wirkung als die gleichen Worte in einer Zahnarztpraxis. Und dann guckt der (Assistenz???-) Arzt auch noch so spöttisch!

Und da lag ich nun auf der Liege, man schnitt mir den Verband auf, der Arzt zog sich die Hnadschuhe an. „Jetzt atmen Sie mal ganz tief ein …“ Ich atmete ein. Tief, tiefer, am tiefsten, in Erwartung eines tierischen Schmerzes. Da sagte der Arzt: „Sie können wieder ausatmen, ist alles raus.“ Nichts gespürt! Und gelernt: Man kann auch mal Glück haben.

Erste Begutachtungen durch den Arzt, „na mal sehen, ob der Doktor das noch punktieren will.“ Klingt auch nicht gut. Dann war ich erstmal allein, konnte selbst begutachten. Naja, wie punktieren sah das Knie ja nicht aus, zwei kleine Nähte, Druckstellen von der Drainage, das hätte ich mir durchaus schlimmer vorstellen können.

Dann kam der Doktor. „Na mal sehen, was da Muskeln und was Bluterguß ist.“ Kurzes Tasten, Drücken, „oh, das sind ja doch alles Muskeln, Respekt! Treiben Sie Sport?“ „Ja, Radsport.“ „Ach so, ja, nicht schlecht …“ Schön, daß man Muskeln nicht wegpunktieren kann.

Dann kam die Auswertung inklusive einiger Innenausnahmen meines Kniegelenks. Teilweise waren die etwas verschwommen, weil ich ohne Blutsperre operiert wirde, da ist also etwas Blut vor die Optik gelaufen. Es war ein recht großes Stück vom Meniskus abgerissen, das wurde entfernt, alles „schön glatt und stabil“ gemacht. „Mit besten Erfolgsaussichten“, ach ja, hört man gern. Allerdings muß ich mich da nun zusammenreißen, schön artig in der ersten Woche mit Unterarmstützen rumlaufen, Krankengymnastik ab 2. Woche, jegliches Radeln erst nach 3 Wochen, beginnend mit maximal 20 Minuten ganz leicht, und immer schön in den Körper und ins Knie hineinhorchen. Okay, ich werde mich daran halten!

Wieder Zuhause

(Mein Blick fällt gerade auf zwei kleine Hanteln a 3kg und auf einen Schwingstab. Mal sehen, was da so geht.)

Ein paar kleine Übungen wurden mir noch empfohlen, damit gerade das rechte Bein nicht ganz verkümmert. Mach ich, hab ja die Zeit dafür. Meine Radsportaktivitäten kann man in der „Rennrad“ 1/2 2015 auf Seite 18 nachlesen. Allerdings nur Punkt 6: „Radwartung – die Wintermonate nutzen, um sich mit seinem Material vertraut zu machen …“ Muß reichen.

Stand 18.2.: Inzwischen kann ich das Bein auch schon wieder etwas beugen, die schmerzenden Bereiche während einer Bewegung werden immer kleiner, so nach und nach kann ich auch immer stärker auftreten. Ca 30 Minuten rumlaufen (natürlich mit Unterarmstütze!) und danach Bein ca 30-60 Minuten hochlegen bringt spürbare Besserung.

Über rennradopa

Ein Opa mit einem Rennrad. Hier wird selbst gedacht und selbst gemacht.
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