Nicht beendet

Am 24. April hatte ich mein erstes Rennen nach einer fast 19-monatigen Renn-Pause. Das heißt nicht, daß ich 19 Monate untätig war, nein, in dieser Zeit habe ich Trainingskilometer abgespult, von denen etliche Hobbyradler rein zeitlich nur träumen können, Größenordnung 18000km. In den letzten 3000 Kilometern waren zudem ordentliche Intensitäten eingebaut, einigermaßen periodisiert trainiert hatte ich ein gutes Gefühl.

Auf nach Münchenbernsdorf

Dort endet seit einigen Jahren die Ostthüringentour, eine mehrtägige Veranstaltung des radelnden Nachwuchses. Und das ist in dieser Gegend kein Zuckerschlecken, wie ich gleich auf meiner Proberunde feststellen mußte. Die ersten 1,2km geht es nur bergauf. Nicht besonders steil, aber das Tempo macht die Härte, das Tempo der ersten Gruppe.

Erstmal gut, daß wir nicht aus der Kalten losfuhren, alle waren eingefahren, vorgeglüht, und wir mußten auch nicht ewig am Start rumstehen, ein Vorteil eines kleinen Feldes. Aber dann ging es los, sofort Feuerwerk! Ich fuhr erstmal mit und die Euphorie vernebelte mir einige wichtige Informationen. Die bemerkte ich nach knapp einem halben Kilometer, als plötzlich die Beine etwas einsäuerten. So verlief meine erste Minute, in der ich gerade so dem Tempo folgen konnte:

Unbenannt

Es ging nur 2% bis 5% bergauf, wohlgemerkt. Ich habe es mal bei Kreuzotter berechnet, nur ganz grob, mit 10kg Körpergewicht weniger hätten ca 50 Watt weniger ausgereicht, genau die Reserve, mit der ich drangeblieben wäre.

Wäre.

Ich wurde abgehängt wie ca 20% des Feldes (vermutlich, ich hatte keine Muße zum umdrehen und gucken), war nur noch so ein versprengtes Truppenteil. Endlich oben, in der Ebene, 3-4 Hanseln in einer Minitruppe und ich vorneweg, Tempo machen, an die Spitzengruppe zurück. Aber wann werde ich es endlich begreifen, daß ich allein gegen das Tempo einer Spitzengruppe über ca 2km nicht den Hauch einer Chance habe? Die anderen hatten es spätestens einen Kilometer vor mir eingesehen und damit im nächsten Anstieg wenigstens genug Kraft für einen einigermaßen flotten Anstieg. Ich nicht.

Damit war ich in ein hoffnungsloses Einzelzeitfahren geraten, immer am grübeln, ob ich alles aus mir rausholen sollte oder ob ich einfach nur zu Ende fahre, irgendwie. Dann nahm mir das Wetter die Entscheidung ab. Ab der zweiten Runde hatten Schnee- und Graupelschauer meine Rennbrille (mit zusätzlichen optischen Gläsern, also „mehrlagig“) erblinden lassen, also habe ich sie abgenommen. Es ging eine Weile gut, bis zu einer Abfahrt im Graupelschauer, wo der Blick nur auf den Seitenstreifen, nicht aber nach vorn möglich war. Das mußte ich mir jetzt nicht mehr antun, Schluß, aus, Ende.

Im ersten Moment hatte ich ein geradezu schreckliches Gefühl. DNF! Aber ein Vergleich z.B. zu einem Marathon hinkt gewaltig. Beim Jedermann – Marathon kommt es für einen großen Teil der Teilnehmer schlicht darauf an durchzukommen, durchzulaufen, das Ankommen wird zu verdienten Selbstbestätigung. Darum ging es hier im Rennen von vornherein nicht. 75 Kilometer auf dem Rennrad und vielleicht 900 Höhenmeter sind für mich längst keine Herausforderung mehr, die sind eher sowas wie das tägliche Brot eines Rennradfahrers. Ich wollte zuerst sehen, wo ich stehe, dann wollte ich – auch im Schutz und im Windschatten der Meute – renntypische Geschwindigkeiten fahren, und im besten Falle wollte ich in dem ganzen Rennen eine gewisse Rolle spielen, was auch immer für eine. Es reichte nicht mal für die kleinste Nebenrolle.

Fazit

Neben meinen 10-15kg Übergewicht, die sich so gut wie ausschließlich im Bauchraum manifestieren und EINFACH NUR WEG MÜSSEN!!! gibt es einen weiteren Grund für Frust. In den Jedermannrennen fahren neben den Hobbyfahrern Leute aus einer ganz anderen Liga mit. Also nicht daneben, eher vorneweg. Fahrer (samt Teams), die eigentlich in Lizenzrennen gehören, Ex-Profis, die sich nochmal beweisen müssen, in etlichen großen Rennen gleichmal mit Profi-Technik und Profi-Logistik. Damit wird der „normale“ Hobbyfahrer von vornherein zur grauen, zahlenden Masse degradiert, der eben mal so mitfahren darf.

Meine ungefähr gleichstarken (und vielleicht gleichaltrigen) Konkurrenten, mit denen wir uns gegenseitig zu harten Rennen und Höchstleistungen pushen, die muß ich mir wohl woanders suchen. Wohl ab Startblock B oder C in einem der großen Massenrennen. Schade.

Über rennradopa

Ein Opa mit einem Rennrad. Hier wird selbst gedacht und selbst gemacht.
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3 Antworten zu Nicht beendet

  1. erichvonallmen schreibt:

    Hat dies auf erich's sportblog… rebloggt und kommentierte:
    Gut analysiert…

    Liken

  2. Pingback: #Lieblingsblogs Empfehlungen von euch für euch – Coffee & Chainrings

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