Meine kleine Normalität

An mir ist die „Corona-Krise“ bisher ziemlich deutlich vorbei gegangen. Ich bin derzeit nicht infiziert, ebenso wie der gesamte für mich überschaubare Teil meiner Verwandtschaft, meiner Bekannten, Kollegen, Bewohner meines Wohnblocks. Möglicherweise gehöre ich mit meiner seit der Lungenembolie „verschwarteten“ Lunge und deshalb nur ca. 90% verfügbaren Lungenvolumen ebenfalls zur Risikogruppe. Deswegen werde ich da auch keine Risiken eingehen, bisher ist alles gut gegangen. Das ist erstmal die wichtigste Nachricht, deswegen schreibe ich die zuerst.

Ich bin ja seit meinem Unfall am 13.12.2019 krank geschrieben (in Kürze geht es wieder auf Arbeit), deswegen bin ich wirtschaftlich sowieso schon etwas eingeschränkt. Noch kann ich das ausgleichen, etwas weniger Luxus, etwas weniger Anschaffung, derzeit gar nicht in ein Restaurant – es gibt wahrlich schlimmere Schicksale.

Hier in Jena gibt es die Maskenpflicht nun schon fast zwei Wochen. Auch damit kann ich leben. Meine Hochachtung gebührt denen,  die den ganzen Arbeitstag mit Maske herumlaufen müssen, bei körperlicher Arbeit und vielleicht noch eher mäßigem Gesundheits- und Fitnesszustand kommt man da wohl schneller als gewollt in seine Grenzbereiche. Deswegen mache ich auch richtig mit, nicht weil ich es muß, sondern als Zeichen der Solidarität und der Hochachtung für meinem Gegenüber, der (die) für mich unerkennbar vielleicht zu den Risikogruppen gehört und den (die) ich als möglicher Träger der Viren nicht anstecken möchte.

An der Diskussion rund um die „Systemrelevanz“ einzelner Berufsgruppen werde ich mich nicht beteiligen. Jeder macht seinen Job, schön, wenn ihm sein Beruf auch Berufung ist, aber die Diskussion darüber gleicht derzeit eher irgendwelchen Durchhalteparolen und peinlichen Anbiederungsversuchen. Was die Worte wirklich wert sind wird sich nach der Krise zeigen, nicht zuletzt in Tarifverhandlungen.

Und mein Sport? Auch der war über Monate sehr eingeschränkt, zuerst gar nichts, dann diverse Krankengymnastik und „therapeutisches Gehen“. Erste radfahrtypische Bewegungen hatte ich am 24. Februar, wirkliches Radfahren dann ab Mitte März, allerdings ging es da eher um grundsätzliche Bewegungsabläufe und einen gewissen Kraftaufbau. Das wird auch eine Weile so weitergehen. Deswegen kann ich sogar mit den höchstwahrscheinlichen Absagen meiner beiden Wettkampfhöhepunkte recht gelassen umgehen. (ups, mitten im Schreiben kam gerade die Absage/Verschiebung der Höffner NeuseenClassics auf den 30. Mai 2021) Von irgendeiner „Wettkampfform“ bin ich meilenweit entfernt, dazu ist mein Bewegungsablauf speziell mit dem rechten Bein alles andere als optimal. Allein wenn ich mir die kleine fiese Rampe am Störmthaler See vor Augen führe, die im Wettkampftempo hoch mit unrunder Bewegung und im Hinterkopf eine gewisse Angst vor einer Überlastung – vergessen wir es!

Bleiben die EuroEyes CyClassics in Hamburg, ohne eine solche fiese Rampe, aber Highspeed im Fahrerfeld inklusive Sturzgefahr macht die Sache im Jahr meiner Rekonvaleszenz auch nicht besser. Und in eine Superform werde ich bis dahin nicht kommen, es geht eher darum, ein gewisses Leistungsniveau vergangener Jahre wieder zu erreichen. Also nix mit Rennen.

Also kämpfe ich an meinen Fronten weiter, an meinem Gewicht, an der flüssigen, kraftvollen Bewegung gerade des rechten Beins, an meinen Leistungswerten. Bei Gelegenheit werde ich bei einigen Strava-Segmenten eine gewisse Korrektur meiner Platzierung anbringen (b.z..w. es versuchen), so als kleiner Wettkampf zwischendurch.

Das ist zur Zeit mein Leben. Mein kleiner Luxus, meine kleine Normalität.

Über rennradopa

Ein Opa mit einem Rennrad. Hier wird selbst gedacht und selbst gemacht.
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